Start / Ratgeber / Wohnraumlüftung
Lüftung8. Juli 2026 · 5 Minuten Lesezeit

Kontrollierte Wohnraumlüftung: für wen sie sich lohnt

Je dichter ein Haus, desto weniger verzeiht es Lüftungsfehler. Eine Anlage ist deshalb oft sinnvoll – aber nicht in jedem Gebäude braucht sie Kanäle im ganzen Dach.

Sauber gedämmte Verteilung im Technikraum eines Neubaus
Kurz gesagt
  • Für dichte Neubauten ist ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 Pflicht.
  • Drei Varianten: Einzelraumlüfter, dezentrale Geräte mit Wärmerückgewinnung, zentrale Anlage.
  • Im Bestand ist dezentral in vielen Fällen nachrüstbar – ohne Kanäle durch das ganze Haus.
  • Realistischer Aufwand: Filterwechsel ein bis zwei Mal pro Jahr.

Warum dichte Häuser ein Konzept brauchen

Moderne Fenster und Dämmung haben den unkontrollierten Luftwechsel durch Fugen praktisch beseitigt. Das spart Energie – verlagert aber die Verantwortung für den Luftwechsel auf die Bewohner. Wer tagsüber arbeitet, kann nicht alle drei Stunden lüften. Feuchte bleibt im Gebäude, und an der kältesten Stelle der Außenwand entsteht Schimmel. Deshalb verlangt die Norm für Neubauten und größere Sanierungen ein Lüftungskonzept: eine Rechnung, ob der nötige Mindestluftwechsel ohne Technik erreichbar ist. Häufig ist er es nicht.

Die drei Varianten im Vergleich

Einzelraumlüfter ohne Wärmerückgewinnung

Der einfache Abluftventilator in Bad und WC. Günstig, schnell montiert, ersetzt aber kein Konzept für die Wohnräume – er transportiert nur feuchte Luft nach draußen und zieht Frischluft unkontrolliert nach.

Dezentrale Geräte mit Wärmerückgewinnung

Paarweise in der Außenwand arbeitende Geräte, die im Wechsel Zu- und Abluft fördern und die Wärme über einen Keramikspeicher zurückgewinnen. Meist die passende Lösung für den Bestand: eine Kernbohrung pro Gerät, keine Kanäle, raumweise nachrüstbar. Man hört sie in der höchsten Stufe – bei richtiger Auslegung läuft sie meist auf Stufe eins.

Zentrale Anlage mit Wärmerückgewinnung

Ein Gerät im Technikraum, Kanäle zu allen Räumen, hohe Wärmerückgewinnungsgrade, gute Filterung von Pollen und Feinstaub. Die richtige Wahl im Neubau, solange die Kanäle in der Planung berücksichtigt sind – im fertigen Altbau ist das Nachrüsten meist unwirtschaftlich.

„Eine gute Anlage merkt man nicht. Man merkt nur, dass die Fenster morgens nicht beschlagen sind."

Was die Wärmerückgewinnung bringt

Die Abluft gibt ihre Wärme im Tauscher an die einströmende Frischluft ab, ohne dass sich die Luftströme mischen. Statt 20 Grad warme Luft aus dem Fenster zu schicken, kommt Frischluft mit rund 17 Grad ins Zimmer. Der Effekt ist im Winter deutlich – im Sommer schalten wir den Tauscher über einen Bypass ab, damit nachts kühle Luft ohne Vorwärmung hereinkommt.

Wartung und Hygiene

  • Filter ein bis zwei Mal jährlich wechseln – der wichtigste und einfachste Punkt.
  • Volumenströme im Rahmen der Wartung nachmessen; sie verstellen sich über die Jahre.
  • Kanäle bleiben bei glatten Rohren und intakten Filtern über viele Jahre sauber; Inspektionsöffnungen planen wir von Anfang an ein.
  • Kondensatablauf prüfen – eine verstopfte Leitung ist die häufigste Störungsursache.

Wann wir abraten

In einem undichten Altbau ohne geplante Sanierung der Hülle bringt eine zentrale Anlage wenig: Die Luft nimmt weiterhin ihren eigenen Weg. Auch bei einer einzelnen Wohnung mit zwei Bewohnern und guter Lüftungsdisziplin ist der Aufwand oft nicht gerechtfertigt. Dann empfehlen wir gezielte Maßnahmen im Bad und ein Hygrometer statt einer Anlage. Was technisch möglich ist, steht auf unserer Seite Lüftung & Klima; die Auslegung machen wir im Rahmen des Lüftungskonzepts.

Häufige Fragen

Darf ich mit einer Lüftungsanlage noch Fenster öffnen?

Selbstverständlich. Die Anlage sichert den Mindestluftwechsel auch dann, wenn niemand zu Hause ist – sie verbietet nichts. Im Sommer ist Fensterlüften nachts sogar die bessere Kühlung.

Wird die Luft durch die Anlage trocken?

Trockene Luft entsteht durch hohen Luftwechsel bei kalter Außenluft, nicht durch das Gerät. Richtig eingestellte Volumenströme und – wo sinnvoll – ein Enthalpietauscher halten die Feuchte im angenehmen Bereich.

Wie viel Wartung fällt an?

Filterwechsel ein bis zwei Mal pro Jahr, je nach Standort und Pollenbelastung. Das können Sie selbst erledigen. Die Anlagenwartung mit Prüfung der Volumenströme übernehmen wir im festen Intervall.

Dieser Beitrag beschreibt unsere Praxis als Fachbetrieb in Dillingen a.d. Donau. Die Auslegung erfolgt immer objektbezogen nach DIN 1946-6.

Lüftungskonzept für Ihr Vorhaben?

Wir rechnen den nötigen Luftwechsel für Ihr Gebäude und sagen, welche Variante dafür ausreicht.